Augenzucken ist fast immer harmlos und vergeht von selbst. Woher das Flattern kommt, welche Muster in die Praxis gehören und was die Kasse davon trägt.
Augenzucken — warum das Lid flattert und wann es mehr ist
Es fängt mitten im Satz an. Ein feines Zupfen im Unterlid, so deutlich, dass Du sicher bist, alle im Raum sehen es. Du gehst aufs WC, schaust in den Spiegel — und da ist nichts.
Augenzucken — in der Fachsprache Lidzucken oder Lidmyokymie — gehört zu den Beschwerden, die sich viel grösser anfühlen, als sie sind. Das ist keine Floskel, sondern die einzige vernünftige Zusammenfassung dessen, was die Augenheilkunde über dieses Symptom weiss: Es ist in der überwiegenden Mehrheit der Fälle gutartig, es geht von selbst wieder weg, und es fällt häufig in Phasen, in denen Schlaf, Pausen und Belastung aus dem Gleichgewicht geraten sind.
Dieser Text macht drei Dinge. Er erklärt, was im Lid überhaupt passiert und warum Du es stärker spürst als andere es sehen. Er benennt die wenigen Muster, bei denen das Flattern kein Flattern mehr ist und in eine Praxis gehört. Und er sagt, wer in der Schweiz welche Rechnung trägt — inklusive der einen Position, die viele Erwachsene überrascht.
Ein Satz gehört an den Anfang: Alles, was hier über Pausen, Entspannung und Körperarbeit steht, ist komplementär und nicht alternativ. Ein Zucken, das sich über die Lidpartie hinaus ausbreitet oder das Auge wirklich zudrückt, gehört ärztlich angeschaut — und zwar zeitnah.
Was im Lid passiert, wenn es flattert
Rund um jedes Auge liegt ein flacher, ringförmiger Muskel, der Musculus orbicularis oculi. Er schliesst das Lid — unzählige Male am Tag, ohne dass Du etwas davon merkst. Beim Augenzucken feuern einzelne motorische Einheiten dieses Muskels spontan vor sich hin, ohne Befehl von oben und ohne Zusammenhang untereinander.
Die Fachbezeichnung dafür lautet Lidmyokymie. Die Übersichtsarbeit der American Academy of Ophthalmology in ihrer Wissensdatenbank EyeWiki (Stand 1.9.2026) beschreibt sie als unwillkürliche, feine, wellenförmige Kontraktion des Orbicularis oculi — typischerweise einseitig und häufiger im Unterlid als im Oberlid. Einzelne motorische Einheiten feuern dabei mit etwa 3 bis 8 Hertz.
Diese Zahl erklärt die ganze Merkwürdigkeit des Symptoms. Die feuernden Einheiten sitzen in einem hauchdünnen Muskel dicht über dem Auge und erzeugen innen ein Gefühl wie ein Flügelschlag — aber aussen bewegen sie die Haut kaum sichtbar. Deshalb sagen Dir alle, sie sähen nichts, und Du hältst es trotzdem kaum aus. Beide haben recht.
Warum ausgerechnet dieser Muskel
Der Orbicularis oculi gehört zu den am häufigsten beanspruchten Muskeln des Körpers und zugleich zu den feinsten. Er arbeitet ohne Pause, er hat kaum Masse, und er reagiert empfindlich auf alles, was die Erregbarkeit von Nerv und Muskel verschiebt: Schlafmangel, Koffein, anhaltende Anspannung, ein trockenes Auge, das ihn zu zusätzlichem Blinzeln zwingt. Wie diese Schleife entsteht, steht weiter unten im Abschnitt zur Bildschirmarbeit.
Die Auslöser, die fast immer dahinterstecken
Die EyeWiki-Übersicht nennt als auslösende Faktoren Koffeinkonsum, Angst und psychische Belastung, Schlafmangel, lange Bildschirmzeit und Zustände nach viralen Infekten. Alkohol und Rauchen gehören in die Anamnese. Bei den Medikamenten werden unter anderem Clozapin, Flunarizin, Topiramat, Goldsalze und — in Einzelfallberichten — Metformin aufgeführt.
Bemerkenswert an dieser Liste ist, was sie nicht enthält: einen Schwellenwert. Es gibt keine Tassenzahl, ab der Kaffee das Lid zum Zucken bringt, und keine Stundenzahl Schlaf, unter der es garantiert losgeht. Die Auslöser addieren sich, und die Summe ist individuell.
Praktisch heisst das: Die Frage «woran liegt es» ist meist falsch gestellt. Fast nie liegt es an einem einzigen Ding. Eine anstrengende Woche, zwei Espressi mehr als sonst, Abende am Bildschirm, zu wenig Schlaf, trockene Heizungsluft im Büro — und irgendwann läuft das Fass über. Genau deshalb hilft es auch so selten, einen einzelnen Übeltäter zu suchen, und so zuverlässig, die ganze Summe für zwei Wochen zu senken.
Die Frage nach dem Mangel
Kaum ein anderes Symptom wird so hartnäckig mit einem Mangel erklärt wie dieses. Die Suchvorschläge sind voll davon, die Regale der Drogerien auch. Nur: Die EyeWiki-Übersicht führt Magnesium unter den Auslösern der Lidmyokymie gar nicht auf, und zu Nahrungsergänzung als Behandlung hält die medizinische Literatur fest, dass belastbare Belege fehlen.
Das heisst nicht, dass ein Mangel unmöglich ist — es heisst, dass er nicht die wahrscheinliche Erklärung für ein zuckendes Lid ist und dass eine Kapsel bei diesem Symptom keine belegte Wirkung hat. Wenn Du den Verdacht hast, lässt Du ihn ärztlich abklären statt ihn auf eigene Faust zu behandeln. Ein Präparat, das ins Blaue genommen wird, verschiebt vor allem eines: den Zeitpunkt, an dem Du die tatsächliche Ursache anschaust.
Bildschirmarbeit: was das Gesetz Deinem Arbeitgeber vorschreibt
Dieser Punkt wird selten erwähnt, obwohl er bei einem grossen Teil der Betroffenen die eigentliche Baustelle ist. Wer acht Stunden am Bildschirm sitzt, blinzelt seltener und unvollständiger. Die Augenoberfläche trocknet aus, und darauf antwortet der Körper mit reflexhaft häufigerem, kräftigerem Blinzeln — Mehrarbeit für genau den Muskel, der zuckt. Das ist die Schleife, und sie beginnt am Bildschirm, nicht im Lid. Das ist kein persönliches Versagen, sondern eine Frage der Arbeitsplatzgestaltung — und die ist in der Schweiz geregelt.
Die Verordnung 3 zum Arbeitsgesetz hält in Artikel 23 unter dem Titel «Allgemeine Anforderungen (Ergonomie)» fest: «Arbeitsplätze und Arbeitsmittel sind nach ergonomischen Gesichtspunkten zu gestalten und einzurichten.» Absatz 2 nimmt beide Seiten in die Pflicht: «Arbeitgeber und Arbeitnehmer sorgen für ihre sachgerechte Benutzung.»
Dazu kommt Artikel 15 zur Beleuchtung. Räume, Arbeitsplätze und Verkehrswege müssen entsprechend ihrer Verwendung ausreichend natürlich oder künstlich beleuchtet sein. Tageslicht in Arbeitsräumen ist dabei als Soll-Vorschrift formuliert, die künstliche Beleuchtung dagegen hat zur Art der Arbeit und ihren Sehanforderungen zu passen — die Verordnung nennt ausdrücklich Gleichmässigkeit, Blendung, Lichtfarbe und Farbspektrum.
Daraus folgt etwas sehr Praktisches. Ein Bildschirm, der gegen ein ungeschütztes Fenster steht, eine Deckenleuchte, die sich im Display spiegelt, oder ein Arbeitsplatz, an dem Du den Kopf in den Nacken legen musst, um scharf zu sehen, sind keine Marotten, mit denen man sich abfindet. Sie sind Punkte, die Du bei Deiner oder Deinem Vorgesetzten ansprechen darfst — mit der Verordnung im Rücken. Dass die Nackenhaltung mit all dem zusammenhängt, steht in Nackenverspannung durch Stress.
Wann Augenzucken kein harmloses Flattern mehr ist
Jetzt kommt der Teil, für den sich das Lesen wirklich lohnt. Es gibt drei Konstellationen, die anders sind als die gutartige Lidmyokymie — und alle drei erkennst Du ohne Fachwissen.
Spasmus hemifacialis: die Bewegung ist kräftig, nicht fein. Die EyeWiki-Übersicht beschreibt ihn als kraftvolle Bewegung, die oft weitere Gesichtsmuskeln einbezieht — und als das Bild, mit dem die harmlose Myokymie am häufigsten verwechselt wird. Typisch ist, dass sich das Lid bei der Zuckung ganz schliesst und die Bewegung mit der Zeit auf Wange, Mundwinkel und Kinn derselben Gesichtshälfte wandert. Einseitig, kräftig, wandernd: Das ist kein stärkeres Augenzucken, sondern etwas anderes.
Blepharospasmus: beide Augen drücken sich zu. Das Offenhalten macht Mühe oder gelingt zeitweise nicht. Dahinter steht eine fokale Dystonie der Augenringmuskulatur — ebenfalls kein gesteigertes Zucken, sondern eine eigene Diagnose, und sie gehört abgeklärt.
Die Zeit: Wochen ohne jede Besserung. Ein Zucken, das trotz Pausen, weniger Koffein und mehr Schlaf über Wochen bleibt, sich ausbreitet oder von weiteren neurologischen Zeichen begleitet wird, gehört laut EyeWiki weiter untersucht. Eine Bildgebung ist bei gewöhnlicher Lidmyokymie nicht nötig und bringt in aller Regel nichts. Bei anhaltenden oder untypischen Verläufen kann sie sinnvoll sein — laut EyeWiki, um seltene Ursachen wie eine multiple Sklerose, einen Tumor oder eine Veränderung im Hirnstamm auszuschliessen. Dass diese Gründe selten sind, ist dabei der Punkt: Die Bildgebung dient dem Ausschluss, nicht der Bestätigung eines Verdachts.
Was die Abklärung in der Schweiz kostet und wer sie trägt
Wer wegen eines zuckenden Lids einen Termin macht, bewegt sich in der Grundversicherung. In seiner Broschüre «Die obligatorische Krankenversicherung kurz erklärt» fasst das BAG den Grundsatz so, dass die Versicherung «grundsätzlich alle Behandlungen» vergütet, «die von einem Arzt oder einer Ärztin vorgenommen werden» — einzelne Leistungen nur unter Bedingungen, über die die Praxis vorher informieren soll. Die augenärztliche oder hausärztliche Konsultation, die Untersuchung der Lidpartie und eine allfällige Zuweisung an die Neurologie fallen darunter.
Davon trägst Du einen Teil selbst. Laut BAG beträgt die ordentliche Franchise für Erwachsene 300 Franken pro Jahr; wählbar sind daneben 500, 1000, 1500, 2000 und 2500 Franken. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre zahlen keine ordentliche Franchise. Dazu kommt ein Selbstbehalt von 10 Prozent des verbleibenden Rechnungsbetrages, mit einem Maximum von 700 Franken pro Jahr für Erwachsene und 350 Franken für Kinder und Jugendliche. Praktisch heisst das bei einer einzelnen ambulanten Konsultation fast immer: Du zahlst sie aus dem eigenen Sack, weil die Franchise noch nicht erreicht ist.
Und dann ist da die Position, die regelmässig falsch wiedergegeben wird: die Brille. Eine unkorrigierte oder schlecht korrigierte Fehlsichtigkeit gilt als plausibler Dauerreiz für die Augenpartie — in der Auslöserliste der Augenheilkunde steht sie allerdings nicht, das gehört der Ehrlichkeit halber dazu.
Die Mittel- und Gegenständeliste des BAG, Ausgabe vom 1. Januar 2026, regelt die Sehhilfen zweistufig. Die allgemeine Position gilt nur für Minderjährige: «Brillengläser / Kontaktlinsen werden bis zum vollendeten 18. Altersjahr maximal 1 Mal pro Jahr mit einem HVB vergütet» — HVB steht für Höchstvergütungsbetrag, und massgebend sind 365 Tage ab dem ersten Kauf, nicht das Kalenderjahr. Daneben stehen aber Positionen für Spezialfälle, die ausdrücklich für alle Altersgruppen gelten: etwa eine krankheits-, medikamenten- oder operationsbedingte Änderung der Refraktion, ein irregulärer Astigmatismus, eine Hornhauterkrankung oder der Zustand nach einer Hornhautoperation.
Die verbreitete Aussage «für Erwachsene zahlt die Kasse nichts an die Brille» ist also zu kurz gegriffen. Richtig ist: Die gewöhnliche Sehkorrektur bezahlst Du als Erwachsener selbst, bei definierten medizinischen Indikationen beteiligt sich die Grundversicherung auch dann. Welche Position in Deinem Fall greift, klärt die augenärztliche Praxis — und das ist kein Grund, den Termin aufzuschieben, sondern einer, ihn zu machen.
Wo Komplementärtherapie ins Bild kommt
Ein Satz, der im Netz oft zu lesen ist, lautet: Körperarbeit und Komplementärtherapie seien nie Grundversicherung. So pauschal stimmt das nicht. Ärztliche Akupunktur, ärztlich verordnete Physiotherapie und psychologische Psychotherapie im Anordnungsmodell sind Leistungen der Grundversicherung. Entscheidend ist, wer behandelt oder anordnet — nicht, wie die Methode heisst.
Entscheidend ist also nicht der Arzttitel der behandelnden Person — die Physiotherapeutin hat keinen und ist trotzdem in der Grundversicherung —, sondern die Zulassung als Leistungserbringer der obligatorischen Krankenpflegeversicherung und die ärztliche Verordnung beziehungsweise Anordnung. Für Fachpersonen, die nicht als solche Leistungserbringer zugelassen sind, und das sind die meisten Komplementärtherapeutinnen und -therapeuten, gilt dagegen: Ihre Behandlungen laufen über die Zusatzversicherung, und dort ist die Registrierung beim Erfahrungsmedizinischen Register oder bei der ASCA regelmässig die Bedingung für eine Rückvergütung. Vor der ersten Sitzung klärst Du zwei Dinge: ob Deine Police die Methode überhaupt enthält und ob genau diese Fachperson bei Deinem Versicherer anerkannt ist. Den Unterschied der beiden Register erklärt EMR und ASCA, das Preisniveau steht in Was eine Therapiesitzung in der Schweiz kostet, und wie das System insgesamt funktioniert, steht in Komplementärmedizin: Was zahlt die Krankenkasse.
Haller in Bern und die Frage, warum ein Muskel von allein zuckt
Dass ein Muskel sich ohne Befehl des Willens zusammenzieht, ist uns heute selbstverständlich. Es war es nicht immer — und die Antwort darauf kam von einem Berner.
Albrecht von Haller, 1708 in Bern geboren und 1777 ebendort gestorben, praktizierte in seiner Heimatstadt als Arzt; seine Bewerbung um eine Stadtarztstelle blieb 1734 allerdings erfolglos. 1735 wurde er Berner Stadtbibliothekar, von 1736 bis 1753 wirkte er als Professor für Anatomie, Botanik und Chirurgie in Göttingen, danach kehrte er nach Bern zurück. In diese Göttinger Jahre fällt die Arbeit, um die es hier geht: 1752 erschien «De partibus corporis humani sensilibus et irritabilibus». Das Historische Lexikon der Schweiz fasst ihren Kern so zusammen, dass Haller die Sensibilität den Nerven und die Irritabilität, die Reizbarkeit, den Muskeln zuwies — gestützt auf zahlreiche Tierversuche.
Die Pointe für unser Thema ist diese: Der Muskel antwortet auf einen Reiz, auch wenn ihn niemand dazu auffordert. Genau das erlebst Du bei einem zuckenden Lid. Es ist nicht Dein Wille, der versagt, und es ist nichts, was Du Dir einbildest. Es ist ein reizbares Gewebe, das gerade unter seiner Schwelle liegt — eine Unterscheidung, die rund 270 Jahre alt ist und von einem Berner stammt.
Qi, Wind und die Augen — die Lesart der chinesischen Medizin
In der Tradition der chinesischen Medizin wird das zuckende Lid anders gelesen, und die Zuordnung ist dort seit Jahrhunderten dieselbe. Dem Funktionskreis Leber werden die Sehnen zugeschrieben, und die Augen gelten als die Sinnesöffnung, über die sich dieser Funktionskreis nach aussen zeigt. Plötzliche, unwillkürliche Bewegungen — Zucken, Zittern, Krampf — werden als Muster des «inneren Windes» beschrieben: etwas, das aufsteigt, wenn die ruhige, nährende Seite erschöpft ist.
Das ist eine Interpretation, keine Messung, und sie ersetzt keine Abklärung. Interessant ist, worauf sie zeigt: auf Erschöpfung, zu wenig Ruhe, zu viel Druck über zu lange Zeit — also ziemlich genau auf die Liste von Auslösern, die die heutige Augenheilkunde nennt. Zwei völlig verschiedene Erklärungssysteme, die beim selben Rat landen, sind keine Bestätigung des einen durch das andere. Aber sie sind ein Hinweis darauf, dass der Rat nicht beliebig ist.
Was Du in den nächsten zwei Wochen tun kannst
Die gute Nachricht steckt in der Prognose: Isolierte Lidmyokymie gilt als gutartig und klingt laut EyeWiki in den meisten Fällen von selbst ab — oft innerhalb von Minuten bis Wochen. Es gibt also wenig zu behandeln und einiges zu entlasten.
- Senke die Summe, nicht einen Faktor. Zwei Wochen lang: eine Tasse Kaffee weniger, eine halbe Stunde früher ins Bett, Alkohol reduzieren. Nicht alles perfekt, aber alles ein bisschen.
- Gib den Augen Bildschirmpausen, die diesen Namen verdienen. Schau regelmässig in die Ferne, am besten aus dem Fenster. Bewusstes, vollständiges Blinzeln für zehn Atemzüge wirkt gegen die Trockenheit — und damit gegen das reflexhaft häufigere Blinzeln, das sie nach sich zieht.
- Prüfe Deinen Arbeitsplatz anhand der Verordnung. Bildschirm nicht gegen das Fenster, keine Spiegelung im Display, Oberkante des Bildschirms etwa auf Augenhöhe, ausreichend Licht ohne Blendung.
- Nimm die Fehlsichtigkeit ernst. Wenn die letzte Kontrolle Jahre zurückliegt oder Du am Abend die Augen zusammenkneifst, ist der Augen- oder Optikertermin der Schritt mit der plausibleren Wirkung — belegt ist die Wirkung von Nahrungsergänzung bei diesem Symptom nicht.
- Bewege Dich, statt es Dir vorzunehmen. Eine Runde mit dem Velo, ein Gang um den Block, eine Stunde im Fitnesscenter — was die Anspannung senkt, senkt auch die Reizbarkeit des Gewebes. Konkrete Übungen stehen in Atemübungen gegen Stress.
- Schau auf den Schlaf, nicht nur auf die Stundenzahl. Wenn Du nicht in den Schlaf findest, ist das der grössere Hebel: Nicht einschlafen können bei Stress. Wenn Du trotz genug Stunden erschöpft aufstehst, lohnt Ständig müde trotz genug Schlaf.
Und wenn das Zucken weg ist, die Anspannung dahinter aber bleibt — das ist eher die Regel als die Ausnahme —, dann war das Lid nur der lauteste Bote. Was dauerhafte Anspannung im Körper anrichtet und wie sie sich lösen lässt, steht in Ständige Anspannung im Körper; dass sie sich nachts gern in den Kiefer verlagert, zeigt Zähneknirschen in der Nacht.
Häufig gestellte Fragen
Ist Augenzucken gefährlich?
In aller Regel nicht. Die isolierte Lidmyokymie gilt in der Augenheilkunde als gutartig und selbstlimitierend. Gefährlich ist das Zucken selbst nicht. Abklären lässt man drei Konstellationen, die anders aussehen: kräftiger, vollständiger Lidschluss mit Ausbreitung auf dieselbe Gesichtshälfte, beidseitiges Zudrücken der Augen und ein Zucken, das über Wochen unverändert bleibt.
Wie lange dauert Augenzucken normalerweise?
Laut EyeWiki reichen die Episoden von Minuten bis Wochen und klingen in den allermeisten Fällen von selbst ab. Entscheidend ist weniger die genaue Dauer als der Verlauf: Wird es mit mehr Schlaf und weniger Koffein spürbar weniger, ist die Richtung richtig. Bleibt es über Wochen unverändert, gehört es angeschaut.
Welcher Mangel steckt hinter Augenzucken?
Meistens keiner. Magnesium taucht in der augenärztlichen Übersicht zu den Auslösern gar nicht auf, und für Nahrungsergänzung als Behandlung fehlen belastbare Belege. Deutlich häufiger sind Schlafmangel, Koffein, Belastung, lange Bildschirmzeit und trockene Augen. Besteht ein konkreter Verdacht, gehört er abgeklärt statt auf Verdacht behandelt.
Warum zuckt immer dasselbe Auge?
Die Lidmyokymie ist typischerweise einseitig und betrifft häufiger das Unterlid. Dass es wiederholt dieselbe Seite trifft, ist also normal und kein Warnzeichen. Auffällig wird es erst, wenn die Bewegung über das Lid hinaus auf dieselbe Gesichtshälfte übergreift.
Wann sollte ich mit Augenzucken zum Arzt?
Wenn es trotz Pausen, weniger Koffein und mehr Schlaf über Wochen bleibt, wenn sich das Auge bei jeder Zuckung ganz schliesst, wenn die Bewegung auf Wange oder Mund übergreift oder wenn weitere neurologische Zeichen dazukommen. Bei plötzlich auftretender Schwäche, plötzlicher Sprachstörung, Doppelbildern oder plötzlichem Sehverlust — besonders zusammen mit weiteren neurologischen Zeichen — gilt der Notruf 144.
Zahlt die Krankenkasse die Abklärung?
Die ärztliche Konsultation ist eine Leistung der Grundversicherung. Bezahlt wird sie trotzdem häufig von Dir — über Franchise und Selbstbehalt. Brillengläser und Kontaktlinsen vergütet die obligatorische Krankenpflegeversicherung laut MiGeL im Normalfall nur bis zum vollendeten 18. Altersjahr; bei definierten medizinischen Indikationen, etwa einer krankheitsbedingten Änderung der Refraktion oder einer Hornhauterkrankung, beteiligt sie sich auch bei Erwachsenen.
Hilft Magnesium gegen Augenzucken?
Dafür gibt es keinen belastbaren Nachweis. Das ist etwas anderes als die Aussage, Magnesium schade — es heisst nur, dass die erhoffte Wirkung bei diesem Symptom nicht belegt ist. Wer einen Mangel vermutet, lässt ihn prüfen; wer einfach etwas nehmen möchte, sollte wissen, dass die Datenlage dünn ist.
Kann eine Fachperson für Körperarbeit bei Augenzucken helfen?
Nicht gegen das Zucken selbst — dafür gibt es keine Evidenz. Sinnvoll kann sie bei dem sein, was häufig dahintersteht: anhaltende Anspannung, Schlafprobleme, eine Nacken- und Schulterpartie, die seit Monaten nicht loslässt. Die Reihenfolge bleibt: zuerst abklären, was das Auge angeht, dann an der Belastung arbeiten.
Was bleibt: der Bote, nicht die Botschaft
Ein zuckendes Lid ist selten ein Problem und fast immer ein Hinweis. Es meldet, dass die Summe aus zu wenig Schlaf, zu viel Koffein, zu langen Bildschirmtagen und zu wenig Pausen gerade über eine persönliche Schwelle gegangen ist. Es verlangt keine Behandlung, sondern eine Korrektur — und es verschwindet meist, bevor Du damit fertig bist.
Was lohnt, ist die eine Unterscheidung: feines Flattern bei offenem Auge ist harmlos, kräftiger Lidschluss oder eine Bewegung, die über das Lid hinauswandert, ist es nicht. Alles andere darf Dich getrost weniger beschäftigen — mit einer Ausnahme: Bleibt das Zucken über Wochen oder kommen weitere Beschwerden dazu, lässt Du es anschauen.
Sources
- BAG — Mittel- und Gegenständeliste (MiGeL), Ausgabe vom 1. Januar 2026
- BAG — Krankenversicherung: Kostenbeteiligung für in der Schweiz wohnhafte Versicherte
- BAG — Broschüre «Die obligatorische Krankenversicherung kurz erklärt»
- SECO — Arbeitsgesetz und Verordnungen, Wegleitung zur ArGV 3
- Historisches Lexikon der Schweiz — Albrecht von Haller
- EyeWiki (American Academy of Ophthalmology) — Eyelid Myokymia
- Die Dargebotene Hand — Telefon 143
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