Nachts immer um die gleiche Zeit aufwachen: Schlafarchitektur, Cortisol und Organuhr nüchtern erklärt — plus die Schweizer Regeln zu Melatonin und Kasse.

Nachts immer um die gleiche Zeit aufwachen gehört zu den unheimlichsten Erfahrungen, die ein sonst unauffälliger Körper einem zumutet. Du schläfst ohne Mühe ein, und dann — als hätte jemand einen Schalter umgelegt — bist Du wach. Die Uhr zeigt 2:14. Oder 1:40. Oder 3:05. Die Gedanken laufen sofort los, und je mehr Du schlafen willst, desto weiter rückt der Schlaf weg. Am Morgen bist Du zerschlagen, am Abend fürchtest Du Dich schon vor dieser Stunde.

Dieser Text verspricht Dir keinen Trick, der das über Nacht löst. Er zeigt Dir dieselbe Stunde aus drei Richtungen: was in Deinem Körper tatsächlich passiert, wie die chinesische Medizin diese Zeitspanne seit Jahrhunderten liest, und was in der Schweiz konkret gilt — bei Melatonin, bei Baldrian, bei der Krankenkasse. Dazwischen: Zahlen, die zeigen, wie wenig allein Du damit bist.

Eine Vorbemerkung, weil es um Gesundheit geht: Einzelne nächtliche Wachphasen sind normal, praktisch jeder Mensch hat sie. Wenn das Aufwachen aber hartnäckig ist oder Atemnot, Herzrasen, Nachtschweiss, Gewichtsverlust, ausgeprägte Angst oder eine gedrückte Stimmung dazukommen, ist die erste Instanz die Ärztin oder der Arzt — nicht ein Ratgeber. Alles, was hier steht, ist komplementär gemeint, nicht alternativ zur Abklärung.

Warum Dein Körper so verblüffend präzise ist

Beginnen wir mit dem Teil, der am meisten Angst wegnimmt: Nächtliches Erwachen ist an sich physiologisch normal. Schlaf ist kein Block aus Bewusstlosigkeit, sondern eine Abfolge von Zyklen von etwa neunzig Minuten. Zwischen ihnen und innerhalb von ihnen tauchst Du regelmässig kurz auf. Die meisten dieser Momente erinnerst Du gar nicht, weil Du innert Sekunden wieder wegdriftest.

Was sich im Verlauf der Nacht verändert, ist die Struktur des Schlafs. Je näher der Morgen rückt, desto weniger Tiefschlaf und desto mehr Leichtschlaf und REM-Schlaf enthält ein Zyklus. Kurz: Gegen Morgen wird der Schlaf dünner, und ein kleiner Reiz genügt — eine volle Blase, ein Geräusch, eine zu warme Decke, ein unruhiger Gedanke —, damit Du herausfällst und das Erwachen auch abspeicherst.

Und weshalb so oft dieselbe Uhrzeit? Weil Deine innere Uhr erstaunlich exakt arbeitet. Wenn Du regelmässig zur selben Zeit zu Bett gehst, fallen die leichten Schlafphasen Nacht für Nacht in dasselbe Fenster. Dein Gehirn, das gelernt hat, in diesem Fenster wach zu werden, tut es mit einer Genauigkeit, die einen erschrecken kann. Das ist kein Alarm. Das ist ein Rhythmus.

Was die Forschung zu den Ursachen sagt

Wenn die Leichtschlafphasen den Zeitpunkt erklären: Warum schlafen die einen problemlos weiter und die anderen liegen eine Stunde wach? Drei Mechanismen sind gut beschrieben, und sie greifen ineinander.

Cortisol, das zu früh aufsteht

Cortisol kennen die meisten als Stresshormon, aber seine Aufgabe ist breiter: Es ist auch das Hormon, das Dich morgens auf die Beine stellt. Sein Spiegel beginnt in der zweiten Nachthälfte natürlicherweise zu steigen und erreicht seinen Höhepunkt etwa eine halbe Stunde nach dem Aufwachen. In einem gesunden Rhythmus ist dieser Anstieg sanft und weckt Dich nicht endgültig.

Heikel wird es, wenn das Stresssystem dauerhaft überlastet ist. Cortisol kann dann nachts früher und steiler ansteigen, Dich aus dem ohnehin dünnen Schlaf kippen und das Wiedereinschlafen erschweren. Wer den ganzen Tag in Anspannung verbringt, nimmt diese Anspannung mit ins Bett — das gleiche Muster, das tagsüber als ständige Anspannung im Körper spürbar wird, meldet sich nachts einfach mit anderer Adresse.

Blutzucker und stille Mikroweckungen

Die zweite Möglichkeit ist bodenständiger: ein nächtlicher Abfall des Blutzuckers. War das Nachtessen sehr knapp oder im Gegenteil sehr zuckerreich — schneller Anstieg, ebenso schneller Absturz —, kann der Blutzucker bei manchen Menschen so weit fallen, dass der Körper mit einer Hormonausschüttung gegensteuert. Resultat: ein plötzliches Erwachen, manchmal mit Hunger, Unruhe oder leichtem Schwitzen. Alkohol am Abend wirkt ähnlich; er lässt Dich schneller einschlafen und zerlegt dafür die zweite Nachthälfte.

Hyperarousal — wenn der Kopf das Licht nicht löscht

Der dritte Mechanismus ist der, den fast alle kennen. Die Schlafforschung nennt ihn Hyperarousal: ein Zustand, in dem das Nervensystem eingeschaltet bleibt, obwohl der Körper müde ist. Grübeln am Abend und in der Nacht gehört dazu. Wer zum Gedankenkreisen neigt, geht bereits aufgedreht in die Nacht — und das Erwachen wird zur Falle: Du wirst kurz wach, merkst, dass Du wach bist, beginnst Dir Sorgen zu machen, und die Sorge liefert den Treibstoff, der Dich wach hält.

Genau das ist der Kern von Durchschlafproblemen. Es geht nicht darum, dass Du nicht einschlafen kannst, sondern darum, dass Du nachts aufwachen und nicht mehr einschlafen kannst. Verwandt ist das Phänomen mit anderen nächtlichen Körpersignalen — etwa dem Gefühl, nicht richtig durchatmen zu können, das dieselbe Übererregung des Nervensystems auf die Atmung überträgt.

Wie verbreitet Schlafstörungen in der Schweiz sind

Das Gefühl, als Einzige nachts wach zu liegen, hält der Statistik nicht stand. Laut Medienmitteilung des Bundesamtes für Statistik vom 3. Oktober 2024 zur Schweizerischen Gesundheitsbefragung 1997–2022 gab 2022 ein Drittel der Bevölkerung an, unter Schlafstörungen zu leiden: 26 Prozent mit mittleren, 7 Prozent mit pathologischen Beschwerden. Gegenüber 1997 ist dieser Anteil um 5 Prozentpunkte gestiegen. Die zugrunde liegende Erhebung des BFS befragt Personen ab 15 Jahren in Privathaushalten; 2022 waren es rund 22 000.

Weitere Zahlen aus derselben Quelle, alle mit Stand 2022:

  • Frauen sind häufiger betroffen als Männer (37 % gegenüber 29 %).
  • Am höchsten ist der Anteil pathologischer Schlafstörungen bei den 45- bis 64-Jährigen (9 %).
  • Bei jungen Frauen hat sich der Anteil mit pathologischen Schlafstörungen nahezu verdreifacht: von 3 % (1997) auf 8 % (2022).
  • Der soziale Gradient bleibt: Personen ohne nachobligatorische Ausbildung sind mit 44 % häufiger betroffen als Personen mit Sekundarstufe II (33 %) oder Tertiärstufe (31 %).
  • Personen mit pathologischen Schlafstörungen weisen deutlich häufiger mittlere bis schwere Symptome einer Depression auf (35 % gegenüber 4 %) und häufiger ein Burnout-Risiko (41 % gegenüber 17 % bei Personen ohne Schlafstörungen).

Der letzte Punkt ist der wichtigste — und er ist keine Einbahnstrasse. Schlafstörungen sind sowohl Risikofaktor für die psychische Gesundheit als auch häufiges Begleitsymptom. Wer also nachts wach liegt und tagsüber merkt, dass die Stimmung kippt, hat keinen Charakterfehler, sondern ein gut dokumentiertes Muster.

Melatonin, Baldrian und die Schweizer Regale

Hier unterscheidet sich die Schweiz von fast allen Nachbarländern, und es lohnt sich, das zu wissen, bevor Du im Internet bestellst.

Melatonin ist in der Schweiz ein Arzneimittel. Swissmedic hält in seiner Warnung zu Importen von Melatonin und DHEA fest, dass diese Substanzen in der Schweiz aufgrund ihrer pharmakologischen Wirkung und möglicher Risiken nur als verschreibungspflichtige Arzneimittel in Verkehr gebracht werden dürfen. Als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel sind sie hier nicht verkehrsfähig. Das ist der Grund, weshalb es die Schlaf-Gummibärchen, die Dir Werbung aus Nordamerika anpreist, im Schweizer Regal nicht gibt — und weshalb Swissmedic ausdrücklich vor Anbietern warnt, die rezeptpflichtige Arzneimittel ohne Rezept liefern. Für den Eigengebrauch dürfen Privatpersonen zwar kleine Mengen — bis zu einem Monatsbedarf — eines in der Schweiz nicht zugelassenen Arzneimittels einführen; verkauft oder beworben werden dürfen Melatonin-Produkte hier aber nicht.

Man kann diese Regel streng finden. Der Punkt, der in der Diskussion meist untergeht, ist ein anderer: Die Frage, ob Melatonin bei Deinem Muster überhaupt sinnvoll ist, wird durch die Verfügbarkeit nicht beantwortet. Melatonin wirkt vor allem chronobiotisch — es verschiebt den Zeitpunkt der inneren Uhr — und hat daneben nur eine milde direkt schlaffördernde Wirkung. Beim klassischen Erwachen mitten in der Nacht mit anschliessendem Gedankenkarussell ist die treibende Kraft eher Hyperarousal als eine verschobene Uhr.

Baldrian und Hopfen sind dagegen als zugelassene, rezeptfreie Arzneimittel der Abgabekategorie D in Schweizer Apotheken und Drogerien erhältlich; Melisse findet sich meist in Kombinationspräparaten und als Arzneitee. Was Baldrian für den Schlaf wirklich leistet, ist allerdings deutlich bescheidener, als die Regalfront suggeriert: Übersichtsarbeiten finden allenfalls eine geringe Überlegenheit gegenüber Placebo, bei insgesamt schwacher Studienqualität. Das macht einen abendlichen Tee nicht wertlos — Ritual und Wärme wirken für sich —, aber es macht ihn auch nicht zur Lösung eines strukturellen Schlafproblems.

Wer bezahlt was — Grundversicherung, Zusatz und Schlafmedizin

Drei Dinge sind in der Schweiz sauber getrennt, und wer sie verwechselt, zahlt entweder zu viel oder wartet zu lange.

Erstens die psychologische Psychotherapie. Seit dem 1. Juli 2022 gilt das Anordnungsmodell: Psychologische Psychotherapie wird über die Grundversicherung vergütet, wenn sie ärztlich angeordnet ist. Pro Anordnung sind maximal 15 Sitzungen möglich; danach braucht es einen Austausch zwischen anordnender Ärztin und behandelnder Psychotherapeutin für weitere höchstens 15 Sitzungen, und vor der Fortsetzung über 30 Sitzungen hinaus eine Kostengutsprache des Versicherers. Franchise und Selbstbehalt gelten wie bei jeder Leistung der obligatorischen Krankenpflegeversicherung. Wie dieser Weg im Alltag aussieht, haben wir im Text über belastende Kindheitserfahrungen ausführlicher beschrieben.

Zweitens die Schlafmedizin. Die Bezeichnung «Zentrum für Schlafmedizin» ist in der Schweiz nicht frei verwendbar: Sie darf nur von Einheiten geführt werden, die von der Schweizerischen Gesellschaft für Schlafforschung, Schlafmedizin und Chronobiologie anerkannt sind; die Zentren müssen jährlich bestätigen, dass sie die Zertifizierungskriterien weiterhin erfüllen. Die Richtlinien dazu sind ein Referenzdokument zum Anhang 1 der Krankenpflege-Leistungsverordnung — die Anerkennung hängt also direkt mit der Frage zusammen, was über die Grundversicherung abgerechnet werden darf. Für Dich heisst das schlicht: Wenn eine Abklärung im Schlaflabor zur Debatte steht, ist die Frage nach der Zertifizierung legitim und leicht zu stellen.

Drittens die Komplementärtherapie. Atemarbeit, Körperarbeit, Entspannungsverfahren bei einer nichtärztlichen Fachperson laufen nicht über die Grundversicherung, sondern über die Zusatzversicherung — und dort nur, wenn die Methode auf der Liste Deines Versicherers steht und die Person im entsprechenden Register geführt wird. Die Mechanik dahinter erklären wir im Überblick Komplementärmedizin: Was zahlt die Krankenkasse in der Schweiz? sowie im Detail unter Zusatzversicherung für Komplementärmedizin. Ein Register ist dabei nie eine Garantie für eine Rückerstattung — das entscheidet die Kasse, nicht das Register.

Wie die chinesische Medizin diese Stunde gelesen hat

Lange bevor jemand von Cortisol sprach, fiel der traditionellen chinesischen Medizin dasselbe auf wie Dir: dass Wachphasen sich an bestimmte Stunden halten. Aus dieser Beobachtung entstand ein Modell, das bis heute durch seine innere Geschlossenheit besticht — die Organuhr.

In der Vorstellung der TCM zirkuliert die Lebensenergie Qi im Tagesverlauf durch Kanäle, die einzelnen Organen zugeordnet sind; in jedem Zweistundenfenster steht eines im Zentrum. Das Fenster von etwa ein bis drei Uhr nachts gehört der Leber. Es galt als die Zeit, in der sich der Körper im Schlaf am gründlichsten erneuert — die Leber, so die Lesart, speichert das Blut und ordnet den Organismus für den kommenden Tag.

Interessant ist, welche Emotion dieselbe Tradition der Leber zuordnete: Zorn, Frustration, unterdrückter Ärger. In der Lehre der fünf Wandlungsphasen gehört die Leber zum Element Holz, dem Element von Wachstum und Vorwärtsdrang. Wird diese Bewegung blockiert, staut sie sich — und macht sich laut TCM ausgerechnet nachts bemerkbar, in der Stunde der Leber. Anders gesagt: Wer mit einer Ladung ungesagter Wut ins Bett geht, wacht eher zwischen eins und drei auf.

Die anschliessende Spanne von etwa drei bis fünf Uhr ordnete die Tradition der Lunge zu, dem Organ des Atems und der Trauer. Man muss diese Uhr nicht wörtlich nehmen, um den praktischen Schluss mitzunehmen: Wenn Du um diese Zeit wach liegst, ist das ruhige, verlängerte Ausatmen das einzige Werkzeug, das Du garantiert dabei hast.

Der Ärger, den Du am Tag nicht aussprichst, spricht sich in der Nacht aus.

Was der St. Galler Klosterplan über Kräuter verrät

Für die Frage, was europäische Tradition gegen schlechte Nächte unternahm, muss man nicht weit reisen. Im Stiftsbezirk St. Gallen, seit 1983 UNESCO-Welterbe, liegt der St. Galler Klosterplan — die älteste erhaltene Architekturzeichnung des Abendlandes. Das Pergament misst rund 112 mal 77,5 Zentimeter, besteht aus fünf zusammengenähten Stücken Schafspergament und zeigt 52 Gebäude mit 333 lateinischen Beschriftungen. Entstanden ist er im Kloster Reichenau, nach heutigem Forschungsstand im Zeitfenster zwischen etwa 819 und 837, am wahrscheinlichsten um 825/826.

Bemerkenswert ist, was der Plan neben dem Ärztehaus vorsieht: einen herbularius, einen eigenen Heilkräutergarten mit sechzehn rechteckigen Beeten für ebenso viele Arzneipflanzen. Das ist kein Gartenidyll, sondern Infrastruktur — die Pflanzen stehen dort, wo behandelt wird. Mehr als tausend Jahre bevor jemand kontrollierte Studien durchführte, war die Vorstellung, dass gegen Unruhe und schlechte Nächte ein Kraut wächst, bereits fest eingeplant.

Das ist die ehrliche Pointe dieses Abschnitts, und sie geht in beide Richtungen. Erstens: Die europäische Kräutertradition ist keine Esoterik von gestern, sondern eine dokumentierte, in der Schweiz aufbewahrte Wissensgeschichte, und sie verdient Respekt. Zweitens: Ein Beet auf einem Plan aus den 820er-Jahren ist ein Beleg dafür, dass Menschen etwas verwendet haben — nicht dafür, dass es wirkt. Beides gleichzeitig auszuhalten, ist der ganze Trick.

Ähnlich verhält es sich mit der Alltagsweisheit, dass die Nacht die Sorgen vergrössert. Das ist keine Metapher: Im Leichtschlaf und in der frühen Wachphase ist die emotionale Bewertung schlechter gedämpft. Was um drei Uhr unlösbar aussieht, sieht um neun Uhr nach einer Aufgabe aus. Diese Beobachtung ist Jahrhunderte alt und hält modernen Nachprüfungen stand.

Was Du in dieser Nacht tun kannst

Die guten Werkzeuge gegen nächtliches Erwachen sind fast alle gratis und sicher. Hier sind sie, geordnet vom Moment des Erwachens bis zu den Gewohnheiten, die ruhigere Nächte über Wochen aufbauen.

Kämpfe nicht gegen das Wachsein, entspanne Dich darin. Je energischer Du Dir befiehlst zu schlafen, desto stärker befeuerst Du das Hyperarousal. Schau nicht auf die Uhr und zähle nicht die Stunden bis zum Wecker. Konzentriere Dich stattdessen auf das Ausatmen: vier Zählzeiten ein, sechs bis acht aus. Ein verlängerter Ausatem ist das schlichteste Sicherheitssignal, das Dein Nervensystem versteht.

Liegst Du nach einer Viertelstunde immer noch aufgedreht da — steh auf. Das ist eine Kernregel der kognitiven Verhaltenstherapie bei Insomnie: Bring Deinem Gehirn nicht bei, dass das Bett ein Kampfplatz ist. Geh in einen anderen Raum, setz Dich bei gedämpftem Licht hin, lies etwas Langweiliges auf Papier statt am Bildschirm, und kehre erst zurück, wenn Du schläfrig wirst.

Nimm das Nachtessen ernst. Meide Alkohol am Abend sowie sehr knappe oder sehr süsse Mahlzeiten, die nächtliche Blutzuckerabstürze begünstigen. Besser trägt eine Mahlzeit mit etwas Eiweiss und komplexen Kohlenhydraten, zwei bis drei Stunden vor dem Zubettgehen. Wie eng Verdauung und Stimmung zusammenhängen, zeigt der Text zur Darm-Hirn-Achse.

Entlade den Tag, bevor Du Dich hinlegst. Wenn ungelöste Anspannung nachts zurückkommt, gib ihr tagsüber einen Ausgang: ein Spaziergang, Bewegung, ein Gespräch, oder zehn Minuten, in denen Du aufschreibst, was Dich beschäftigt und was Du morgen damit tust. Sitzt die Spannung vor allem körperlich fest, hilft der Werkzeugkasten aus Nackenverspannung durch Stress.

Halte Zeiten und Dunkelheit ein. Eine feste Bett- und Aufstehzeit ist der stärkste einzelne Hebel auf den Tagesrhythmus. Ein kühles, dunkles, ruhiges Schlafzimmer senkt die Zahl der Reize, die Dich aus dem dünnen Schlaf kippen können. Und ja: das Velo statt des Trams auf dem Heimweg zählt als Bewegungsdosis.

Kräuter bewusst, nicht beiläufig. Melisse, Lindenblüte oder Kamille als Abendtee sind für die meisten Menschen mild und unproblematisch. Bei stärkeren Präparaten und bei Johanniskraut gilt: erst Wechselwirkungen prüfen. Und wenn Du überlegst, mit einer Fachperson zu arbeiten, hilft die Anleitung Anerkannte Therapeutin finden in der Schweiz beim Sortieren dessen, was «anerkannt» hierzulande überhaupt heisst.

Drei Blickwinkel, ein Resultat

Die Schlafforschung erklärt das Erwachen zwischen eins und drei mit der Architektur des Schlafs, einem zu früh ansteigenden Cortisol, nächtlichen Blutzuckerabfällen und einem Nervensystem, das durch Grübeln in Bereitschaft bleibt. Die chinesische Medizin, die keinen dieser Begriffe kannte, ordnete dieselbe Stunde der Leber zu und verband sie mit unterdrücktem Ärger — also genau mit dem, was wir heute als schlafstörenden Stress beschreiben. Und die europäische Klostertradition, ohne jede Theorie, legte gleich neben dem Ärztehaus ein Beet an.

Drei Sprachen, eine Spur: Das nächtliche Erwachen ist selten ein Defekt, der sofort repariert werden muss, und meistens eine Nachricht darüber, wie Deine Tage aussehen. Das Klügste, was Du damit tun kannst, ist nicht, um drei Uhr in Panik zu geraten, sondern das anzugehen, was diese Stunde erzeugt: Anspannung, Nachtessen, Rhythmus, unausgesprochene Gefühle. Und wenn die Nächte trotzdem nicht kippen, ist das der Moment für ein ärztliches Gespräch. Das ist kein spektakulärer Rat. Er wirkt.

Häufig gestellte Fragen

Warum wache ich jede Nacht zur exakt selben Zeit auf?

Weil Deine innere Uhr präzise arbeitet. Bei gleichbleibender Einschlafzeit fallen die leichten Schlafphasen Nacht für Nacht in dasselbe Fenster, und ein Gehirn, das gelernt hat, dort wach zu werden, wiederholt das zuverlässig. Die feste Uhrzeit allein ist kein Warnzeichen.

Bedeutet Aufwachen zwischen ein und drei Uhr ein Leberproblem?

Medizinisch nicht. Die Zuordnung stammt aus der chinesischen Organuhr und ist eine kulturelle Deutung, keine Diagnose. Aus Sicht der Schlafforschung sind dünnere Schlafphasen, Cortisol, Blutzucker und Stress verantwortlich, nicht der Zustand der Leber. Bei körperlichen Beschwerden lass sie ärztlich abklären.

Bekomme ich Melatonin in der Schweiz ohne Rezept?

Nein. Swissmedic stuft Melatonin als Arzneimittel ein, das nur verschreibungspflichtig in Verkehr gebracht werden darf; als Nahrungsergänzungsmittel ist es hier nicht verkehrsfähig. Für den Eigengebrauch ist die Einfuhr kleiner Mengen bis zu einem Monatsbedarf zwar erlaubt, doch Swissmedic warnt vor Anbietern, die rezeptpflichtige Arzneimittel ohne Rezept liefern. Sprich mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt, statt online zu bestellen.

Hilft Baldrian gegen nächtliches Erwachen?

Die Datenlage ist schwach. Übersichtsarbeiten finden allenfalls eine geringe Überlegenheit gegenüber Placebo, bei niedriger Studienqualität. Als Abendritual kann ein Tee trotzdem sinnvoll sein. Nur ersetzt er keine Massnahme, die den Rhythmus, die Anspannung oder das Nachtessen tatsächlich verändert.

Zahlt die Grundversicherung eine Therapie bei Schlafproblemen?

Psychologische Psychotherapie wird seit dem 1. Juli 2022 über das Anordnungsmodell vergütet, wenn sie ärztlich angeordnet ist — maximal 15 Sitzungen pro Anordnung, ab 30 Sitzungen mit Kostengutsprache. Körper- und Atemarbeit bei nichtärztlichen Fachpersonen läuft dagegen über die Zusatzversicherung.

Woran erkenne ich ein seriöses Schlafzentrum?

Die Bezeichnung «Zentrum für Schlafmedizin» dürfen in der Schweiz nur Einheiten führen, die von der Schweizerischen Gesellschaft für Schlafforschung, Schlafmedizin und Chronobiologie anerkannt sind; die Zertifizierung wird jährlich per Selbstdeklaration bestätigt. Frag ruhig direkt nach dieser Zertifizierung.

Was mache ich, wenn ich nachts aufwache und nicht mehr einschlafen kann?

Schau nicht auf die Uhr und zwing Dich nicht zum Schlaf, das verstärkt die Erregung. Atme langsam mit betontem, verlängertem Ausatmen. Liegst Du länger als etwa fünfzehn Minuten aufgedreht wach, steh auf, setz Dich bei gedämpftem Licht mit etwas Langweiligem auf Papier hin und geh erst zurück, wenn Du schläfrig wirst.

Wann sollte ich mit nächtlichem Erwachen zur Ärztin oder zum Arzt?

Wenn Du über mehrere Wochen fast jede Nacht zu früh wach wirst, wenn es Dir tagsüber die Kraft nimmt, oder wenn Atemnot, Herzrasen, Nachtschweiss, Gewichtsverlust, starke Angst oder eine gedrückte Stimmung dazukommen. Nächtliches Erwachen kann Teil einer Depression, einer Angststörung, einer Schlafapnoe oder einer Schilddrüsenerkrankung sein.


Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt weder ärztliche noch psychologische Beratung. Ganzheitliche Praktiken sind komplementär, nicht alternativ zur Behandlung. Es geht hier um Gesundheit: Wenn Du seelisch belastet bist, wende Dich an eine Fachperson oder an eine Beratungsstelle — 143 (Die Dargebotene Hand, rund um die Uhr), 147 (Pro Juventute, für Kinder und Jugendliche). Bei akuten körperlichen Beschwerden wie Atemnot oder Brustschmerz gilt der Sanitätsnotruf 144.

Sources

  1. BFS — Schlafstörungen nehmen seit 25 Jahren zu (Medienmitteilung, 03.10.2024)
  2. BFS — Schweizerische Gesundheitsbefragung, Erhebung und Stichprobe
  3. Obsan — Indikator Einschlaf- oder Durchschlafstörungen
  4. Swissmedic — Warnung vor Importen von Melatonin und DHEA
  5. BAG — Neuregelung der psychologischen Psychotherapie ab 1. Juli 2022
  6. SGSSC — Schweizerische Gesellschaft für Schlafforschung, Schlafmedizin und Chronobiologie
  7. Stiftsbezirk St. Gallen — Heilkräuter und Gartenanlagen im Kloster St. Gallen

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